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In
Rendsburg ist ein vollständiges jüdisches
Gemeindezentrum erhalten geblieben aus der Zeit vor
der rechtlichen Gleichstellung der Juden: Synagoge
(erbaut 1844/45), Mikwe im Keller des Vorderhauses und
Talmud-Tora-Schule (erbaut 1830er Jahre;
Talmud-Tora-Schule war eine Grundschule mit
erweitertem Religionsunterricht einschließlich Hebräisch.)
Bei den Restaurierungsarbeiten 1983
wurde der Grundstein gefunden. Nach jüdischer Zählung
das Jahr 5604 = 1844. Er enthielt eine Kassette mit Münzen
aus der Zeit Christian VIII. und das zerbröselte
Grundsteindokument - die zweite Ausfertigung des
Dokuments befindet sich im Leo-Baeck-Institut, New
York. Einweihung der Synagoge am 12. November 1845
durch den Altonaer Oberrabbiner Ettlinger.
In der Pogromnacht vom November 1938 verübten zwei
Rendsburger SS-Männer einen Sprengstoffanschlag auf
die Synagoge und zerstörten das Zentrum, den
Thoraschrein. Es folgte die "Arisierung":
Eine Fischräucherei wurde im Gotteshaus der durch die
erzwungene Abwanderung stark dezimierten Gemeinde
eingerichtet und bis 1981 betrieben.

Anfang der 70er Jahre
entdeckten der Kieler Ur- und Frühgeschichtler Ole
Harck, längere Zeit fast alleiniger Erforscher der
jüdischen Regionalgeschichte, und der Rendsburger
Landtagsabgeordnete Günter Neugebauer das
Synagogengebäude wieder und setzten sich mit
Unterstützung auf Stadt-, Kreis- und Landesebene
erfolgreich für die Wiederherstellung des Gebäudes
ein.
Der schöne spätklassizistische Saal wird so seitdem
für Wechselausstellungen zur zeitgenössischen Kunst
und zur jüdischen Geschichte und Kultur genutzt. Er
bietet auch für Konzerte und Lesungen ein
beeindruckendes Ambiente. Im Keller des Vorderhauses
werden in den Räumen der ehemaligen Mikwe die zehn
Gemeinden dokumentiert, die es einmal in
Schleswig-Holstein gab. 1988 konnte die frühere
Schule, die schon lange nur noch Wohnungen
beherbergte, als Jüdisches Museum Rendsburg mit einer
Sammlung des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums
nach dem Konzept des Landesmuseumsdirektors Heinz
Spielmann eingerichtet werden. Diese Sammlung zeigt
Werke von als Juden verfolgten deutschen Künstlern
und Werke von Nichtjuden mit jüdischer Thematik.
Höhepunkt des Jahres sind die seit 1989 auf Anregung
des Kultusministeriums veranstalteten Novembertage,
die dem Gedenken an den Pogrom von 1938 gewidmet sind.
Die Sonderausstellungen und Veranstaltungen zu
verschiedenen Aspekten des Judentums, auch die
Begegnung mit jüdischen Künstlern oder Zeitzeugen,
haben der Veranstaltungsreihe überregionale
Anerkennung verschafft.
Weitere
Einrichtungen im Jüdischen Museum Rendsburg und
Dr.-Bamberger-Haus
Die Bibliothek:
Die etwa 10.000 Bände umfassende Präsenzbibliothek
zur jüdischen Geschichte und Kultur ist für
Jedermann zugänglich (Telefonische Anmeldung).
Die Artothek: Der
Rendsburger Kulturkreis unterhält im Haus eine
Artothek mit ca. 500 Blättern, die gegen eine geringe
Gebühr entliehen werden können.
Das Gästeatelier:
Seit 1985 können bildende Künstler und Literaten als
Stipendiaten des Landes Schleswig-Holstein für einige
Monate hier an einem jüdischen Thema arbeiten.
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