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Sichtbare Spuren haben nur die beiden letzten Eiszeiten hinterlassen.
Um die gewaltigen Schnee- und Firnmassen von 2.000 und mehr Meter Stärke in den polnahen Gebieten, ihre Ausbreitung und vor allem den Transport jahrtausendealten Verwitterungsschuttes durch Gletscher und Schmelzwässer zu verdeutlichen, hat so mancher Heimatkundelehrer hierzulande zu einem Bild aus der Küche gegriffen, dem kein Kind sich verschließen kann.
»Stellt euch vor, eure Mutter macht einen Kuchenteig. Eier, Butter , Zucker und Mehl werden zu einer zähen Masse zusammengerührt.
Dann kommen Rosinen hinein, Sukkade, Mandeln, Nüsse ! Und schließlich wird das alles aufs Blech gekippt. Wenn nun eure Mutter das Blech zwar bemehlt - aber vergessen hat, es vorher auch gehörig einzufetten: Was passiert
dann ? Dann fließt der Teig auseinander , schleppt all die guten Zutaten mit sich und schiebt das lose Mehl vor sich her. So
müsst ihr euch die Eiszeit vorstellen. Die Teigmischung ist die Moräne. Das lose Mehl ist Schutt und Geröll; wir nennen es Geschiebe. Die Rosinen, Mandeln und Nüsse sind die Findlinge. Alles klar? «
Eine Moräne ist also kein Fisch, sondern sie besteht aus Geröll, das ein Gletscher mit sich zu führen und nach Auflösung seiner selbst herumliegen zu lassen pflegt. Und Findlinge? Das sind rein geologische Findelkinder, auch erratische Blöcke genannt: Irrblöcke. An viele von ihnen knüpfen sich in der Tat Sagen und Geschichten; sie müssen in früheren Zeiten bestaunt und verehrt worden sein wie seltene, unerklärliche Naturerscheinungen.
Heute kennt man die bis zu 2.000 Kilometer langen Wege dieser Steine mit den schönen Namen. Kalk kam aus Gotland, Sandstein von Bornholm,
Rappkiwigranit aus Finnland, Porphyr aus Norwegen und vom Grund der Ostsee, Basalt und Granit aus Südschweden.
Anhand all dieser vom Eis zerschrammten und zerschundenen Brocken ist die Geschichte des schleswig-holsteinischen Bodens entschlüsselt worden. Daneben hatten und haben sie, die Unverwüstlichen, immer noch einen ganz praktischen Nutzeffekt: Sie dienten zum Bau steinzeitlicher Gräber und frühchristlicher Kirchen; sie befinden sich in den Fundamenten alter Häuser und in Hofmauern; sie bilden die unerschütterliche Basis von Straßen, Wegen und Küstenbefestigungen.
Neben den »Rosinen« brachte das Eis aber auch große, zu Mergel zermahlene Schuttmengen, die beim Abschmelzen
liegen blieben und besonders fruchtbare Böden ergaben
- aufgrund ihrer ton-, kalk- und mineralreichen Zusammensetzung. Zum relativebenen, bisweilen platten Grundmoränengebiet der letzten Vereisung gehören Fehmarn und der nordöstliche Teil der Oldenburger Halbinsel. Nach Westen gehen die fruchtbaren Ebenen und sanften Kuppen in das Gebiet der Endmoränen über, ein stark bewegtes, seenreiches Hügelland, wo die Gletscher vor ihrem endgültigen Rückzug noch einmal riesige Mengen von festem Material zu lehmigeren Stauchmoränen
zusammenschoben, etwa bis zur Linie Flensburg, Rendsburg, Ahrensburg.
Trotz seines Rückzugs bestimmte das Eis weiterhin die Gestaltwerdung des Landes. Verminderte Eislasten
im Norden bewirkten Landhebungen dort, Senkungen hier;
Schmelzwässer sammelten sich in den Niederungen zu Binnenseen oder liefen ab in die ansteigenden Weltmeere. Die westliche Ostsee
floss vor weniger als 10.000 Jahren in ein bis dahin flaches Landgebiet ein; ihre Förden entstanden in ehemaligen Gletscherrinnen.
Schlussakzent dieser großen Küstenentwicklung war die Abschnürung der Insel Fehmarn: zuvor Teil einer weit vorspringenden Halbinsel.
Das ist vielleicht erst 4.000 Jahre her - ein »junges« Meer begrenzt also diese östliche der drei großen Naturlandschaften
Schleswig-Holsteins - das für seine liebliche Vielfalt berühmte Hügelland.
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