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»Geest« oder »güst« bedeutet soviel wie trocken, unfruchtbar. Die Geest bildet Schleswig- Holsteins Mittelrücken, der sich südlich des Elburstromtals in der Lüneburger Heide fortsetzt und als Moränenlandschaft in der vorletzten Eiszeit entstand. Man unterscheidet die Niedere Geest, die als ehemalige Grundmoräne wie ein breites Band mit Westgefälle das ganze östliche Hügelland von Nord nach Süd begleitet, von der Hohen Geest, die sich als End- oder Altmoränenzone
in Höhenzügen gegen die flache Marsch im Westen absetzt.
Während der letzten Vereisung lag der Geestbereich als vegetationsarme Kältewüste vor dem Eisrand.
Seine damals noch stark ausgeprägten Formationen waren allen Zerstörungskräften des Frostes ausgesetzt. Durch die nacheiszeitlichen Tauvorgänge kamen sie sozusagen ins Rutschen - die von Osten kommenden Schmelzwasserströme gossen gewaltige Sandmengen, sogenannte Sander, in die Senken, aus denen nur hier und da Altmoräneninseln herausragten.
Auch Sylt,
Amrum und Föhr sind solche Relikte, die den späteren Verschüttungs-
und Zerstörungsprozessen widerstanden haben.
Geestboden ist nicht eben verlockend; zu sehr haben ihm Naturgewalten und auch menschlicher Unverstand zugesetzt. Die ehemaligen Seen sind vermoort, und wo um die Jahrtausendwende noch üppiger Eichen-Buchen-Mischwald gestanden hat, breiteten sich nach bedenkenloser Abholzung für
Deichbau- und Heizmaterial Heideflächen und Kratts aus - gebüschartige Niederwälder, die durch Nutzung als Schafweide und durch häufige Stürme krüppelwüchsig blieben. Seit Ende des letzten Jahrhunderts verhelfen jedoch Aufforstungsprogramme diesem Teil des waldärmsten Bundeslandes wieder zu einer ausgeglicheneren Vegetation.
Das Landschaftsbild der Geest ist kaum monumental; sein Reiz liegt
im Wechsel von knickgeschützten Äckern und Wiesen, von Waldstücken, Mooren und Heideflächen, Flußauen und - am Rande von Sandern und Schmelzwasserrinnen zusammengewehten - Binnendünen.
Herbheit und Idylle liegen hier oft dicht beieinander, und wer mag, kann gerade hier noch geheime Schönheiten entdecken, die vom Tourismus bislang übersehen wurden.
Auf eine einmalige Weise grandios gibt sich hingegen die dritte und jüngste Naturlandschaft Schleswig-Holsteins
: die Marsch. Ihr Charakter wird durch Weiträumigkeit des Landes, den schier endlosen Himmel- und immer wieder vom Meer geprägt. Vormals verlief die Westküste weit draußen bei der Doggerbank; England war Teil des Festlandes, die Themse mündete in den Rhein - und man hätte zu Fuß von Kiel nach London wandern können, wenn es vor 6000 bis 8000 Jahren Kiel und London gegeben hätte. Wanderer gab es immerhin schon: nomadisierende Jäger , die nach gut steinzeitlicher Art Mammuts und Rentiere verfolgten, die ihrerseits dem rückläufigen Eis nachzogen. |